Über uns
Stand 06/2021

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◊ Gründung und Ziel
Das Beratungs- und Schulungsinstitut für Tierschutz bei Transport und Schlachtung[1] (bsi Schwarzenbek) wurde 1993 auf Initiative von Prof. Dr. G. von Mickwitz gegründet. Unser Ziel ist es, auf den der Öffentlichkeit schwer zugänglichen Produktionsstufen Transport und Schlachtung sowie bei der Tötung die Grundlagen für einen schonenden Umgang mit den Tieren zu erarbeiten. Unsere Erkenntnisse wollen wir den betroffenen Praktikern vermitteln, um die Tierschutzpraxis bei der Fleischproduktion an die gesellschaftlichen Anforderungen eines ethisch, ökologisch und ökonomisch vertretbaren Wirtschaftens zu adaptieren.
Mehr Tierschutz bedeutet höhere Produktqualität.

◊ Struktur und Organisation
Das Institut mit Sitz in Schwarzenbek, Schleswig-Holstein, ist personell mit fünf Tierärzten besetzt. Organisatorisch war es bis 1997 Bestandteil der Geldgeberin und Initiatorin, der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz, Berlin und stand über den Sitz in der Tierärztlichen Ambulanz Schwarzenbek des Fachbereichs Veterinärmedizin in enger Verbindung zur Freien Universität Berlin. Die satzungsgemäß auf eine Anschubfinanzierung begrenzte Förderung durch die Stiftung lief im Sommer 1997 aus, und Dr. Karen von Holleben (Mitglied des European College of Animal Welfare and Behavioural Medicine) und Dr. Martin von Wenzlawowicz (Fachtierarzt für Tierschutz) führen seitdem das Institut in Form einer privatrechtlichen Organisation. Das Team vervollständigen aktuell die KollegInnen Dr. Winfried Dyrba, Dr. Antje Köster und Anika Lücking. Bei Bedarf unterstützen uns weitere KollegInnen auf Honorarbasis. Personal- und Sachmittel werden projektgebunden erwirtschaftet. Den Hauptanteil der Einnahmen bilden Honorare für die Beratungs- und Schulungstätigkeit sowie Forschung im Auftrag der EU, des Bundes oder der Industrie. Die Tierärzte arbeiten eigenverantwortlich und nicht weisungsgebunden. Es wird großer Wert auf die fachliche Unabhängigkeit gelegt.

◊ Arbeitsgebiete
Wir bearbeiten Fragen des angewandten Tierschutzes bei landwirtschaftlichen Nutztieren beim Umgang mit den Tieren, beim Tiertransport, bei der Schlachtung und bei der Tötung im Seuchenfall.
Hierzu bieten wir für Unternehmen, Behörden, Verbände und andere interessierte Partner spezifische Leistungen:

- Fortbildungen, Schulungen und Prüfungen,
- Beratung, Fachinformationen, Gute Praxis, Bewährte Verfahrensweisen,
- Analysen des Betriebsablaufes, Evaluierung von Neuentwicklungen,
- Angewandte Forschung,
- Maßnahmen zur Qualitätssicherung.

In enger Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen und praxisorientierten Institutionen im In- und Ausland erarbeiten wir den Stand des Wissens und der Technik und verbreiten die jeweils aktuellen Erkenntnisse zu tierschutzrelevanten Belastungen, z.B. auf Schulungen, in Leitfäden für bewährte Verfahrensweisen, bei der Beratung zu Rechtsnormen oder bei der Bewertung von Betäubungs- und Tötungsmethoden und Entwicklung entsprechender Anlagen. Gleichermaßen versuchen wir sachliche Argumente in die oft polarisierte Diskussion der Öffentlichkeit einzubringen.

Praxisorientierte Beratung von Betrieben: Über 250 Schlachtbetriebe in Deutschland und im europäischen Ausland, vereinzelt auch in „Übersee“ haben wir mittlerweile teilweise mehrfach besucht und beraten. Dabei standen Analysen des Betriebsablaufes im Hinblick auf den Tierschutz und Untersuchungen zur Erfassung der Schlachtkondition und der Fleischqualität im Vordergrund. Lösungen für eine tierschutzgerechte Gestaltung des Lebendtierbereichs und Voraussetzungen für eine schonende Betäubung wurden erarbeitet und Kriterien für die Überprüfung in der Praxis erstellt. Beispielhaft seien ein paar relevante Fragen genannt:
Was sind die Anforderungen an einen tierschutzgerechten Wartestall vor dem Schlachten?
Wie muss der Bereich des Zutriebs zur Betäubung aussehen, damit die Tiere selbstständig vorwärtsgehen?
Welches Betäubungssystem ist für den jeweiligen Betrieb optimal und welche Anforderungen muss dieses im Detail erfüllen?

Entwicklung von Anlagen und Geräten: Erkenntnisse zum Verhalten und zur Physiologie der Tiere sollten bei der Planung und Konzeption von Anlagen und Geräten mehr Berücksichtigung finden. So haben wir an verschiedenen Entwicklungen mitgearbeitet, z.B. an einer Anlage zur stressfreien Fixierung von Schlachtschweinen, an Mess- und Aufzeichnungsgeräten zur Identifizierung von fehlerhaften Stromverläufen bei der elektrischen Betäubung, an Geräten zur tierschutzgerechten elektrischen Betäubung von Schweinen, Schafen und Geflügel oder an der elektrischen Betäubung von Hühnerembryonen im Ei zur Betäubung vor der mechanischen Zerkleinerung. Als Ergebnis zweier Forschungsprojekte wird die SOL-Anlage zur Überprüfung des Todeseintritts bei Mastschweinen mittels 3D-Videotechnik inzwischen in mehreren Schlachtbetrieben eingesetzt. Momentan fließen Erkenntnisse aus einem Forschungsprojekt zur Bolzenschussbetäubung direkt in die Entwicklungsarbeit der beteiligten Herstellerfirmen von Schussgeräten ein. Auch Herstellern von Tiertransportfahrzeugen bieten wir unsere Unterstützung bei der Weiterentwicklung des Tierschutzstandards der Fahrzeuge an.

Forschung: Erforscht werden praxisbezogene Fragestellungen zur Verbesserung von Tierschutz und Produktqualität. Zwei EU Projekte wurden zum Umgang mit und Transport von Schweinen[2] und Rindern[3] durchgeführt, bei denen es um die Identifizierung von belastenden Faktoren und entsprechende Empfehlungen ging. Weitere vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderte Projekte fanden ebenfalls in enger Kooperation mit Schlachtbetrieben statt. So wurden an einem Schlachtbetrieb und bei über 100 landwirtschaftlichen Zulieferbetrieben qualitätsbeeinflussende Faktoren auf allen Produktionsstufen erfasst und einzeltierbezogen ausgewertet, mit dem Ergebnis einer kontinuierlichen Verbesserung von Tiergesundheit und Produktqualität[4] . In anderen Projekten wurden über 30 Betriebe im Hinblick auf die Effektivität der CO2-Betäubung von Schlachtschweinen überprüft, Ursachen von Fehlbetäubungen bestimmt und verbesserte Richtwerte erarbeitet[5] oder Optimierungsmöglichkeiten und Grenzen beim Zutrieb von Schweinen in eine CO2-Kombianlage untersucht[6] . Weitere Arbeiten erfolgten im Auftrag der Industrie, wie die Überprüfung der MIDAS-Schweinebetäubungsanlage an über 5000 Schweinen in Holland, Belgien und der BRD sowie die Evaluierung der Gasbetäubung oder der Hochfrequenzelektrobetäubung von Geflügel. Kürzlich wurden ein Projekt zur Möglichkeit einer tierschutzgerechten Kugelschuss-Betäubung von freilaufenden Rindern auf der Weide[7] und zwei weitere zur Überprüfung des Eintritts des Todes bei Schlachtschweinen[8][9] , sowie eines zur unblutigen Ferkeltötung mittels eines modifizierten Bolzenschussapparates[10] abgeschlossen. Aktuell arbeiten wir an einem Projekt zur Evaluierung der Schlüsselparameter bei der Bolzenschussbetäubung von Rindern sowie zur Beschreibung der Bewegungen nach der Betäubung und deren Einordnung im Hinblick auf die Betäubungseffektivität[11].

Fortbildungen, Schulungen, Vorträge: Unsere Erfahrung bildet die Grundlage praxisorientierter Fortbildungen von Studentierenden, TierärztInnen, LandwirtInnen sowie transportierendem und am Schlachthof tätigem Personal. Seit 1993 haben wir unzählige Betriebsschulungen sowie öffentliche Lehrgänge und Seminare durchgeführt, u.a. für Schlachtbetriebe, Transportunternehmen, Veterinärbehörden, Landwirtschaftkammern, Deulas und Zulieferfirmen. Als Anbieter für Schulungen und prüfungen zur Erlangung des Befähigungsnachweises für Transporteure und des Sachkundenachweises für Schlachter sind wir von den zuständigen Behörden der Bundesländer zugelassen. Dazu kommen viele Fachvorträge auch international und im Auftrag der EU sowie Beteiligung an Messen oder Podiumsdiskussionen. An der Produktion des aid-Lehrfilms “Tiertransport nicht im Akkord“ hat das bsi nicht nur das Drehbuch sondern auch die Koordination der Dreharbeiten maßgeblich bestimmt. Das Schulungskonzept des bsi wurde in einer wissenschaftlichen Untersuchung zur Öffentlichkeits- und Weiterbildungsarbeit im Tierschutz (Bhagwanani, 1995) im Vergleich einer Vielzahl von Tierschutzaktivitäten im deutschsprachigen Raum als “ausgezeichnetes Vorgehen“ bewertet und hervorgehoben.

Sachverständigenarbeit im Auftrag von Behörden, Mitwirkung in Expertengruppen:
Das bsi wird beteiligt an der Erarbeitung der nationalen und europäischen Rechtsnormen zu Transport, Schlachtung und Tötung von Nutztieren und der entsprechenden wissenschaftlichen Grundlagen (z.B. EFSA Bericht zur tierschutzgerechten Betäubung[12][12a-e]). Wir arbeiten in verschiedenen nationalen und internationalen Expertengruppen mit (z.B. TVT - Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz, hier Arbeitskreise „Transport“ sowie „Betäuben und Schlachten“ oder FVE - Federation of veterinarians of Europe = Dachorganisation der europäischen Tierärztekammern). Ferner sind wir an der Konzeption und Durchführung der Befähigungs-/ Sachkundenachweise für Tiertransporteure bzw. für Schlachthofpersonal beteiligt, bei denen Deutschland innerhalb Europas eine Vorreiterrolle einnimmt. Tierärzte der überwachenden Behörden nehmen die Beratungs- und Gutachtertätigkeit aufgrund der schnellen Entwicklung des Wissensstandes auf den Spezialgebieten des bsi gerne an. Seit 1998 überprüfen wir im Auftrag der Steiermärkischen Landesregierung bereits zum 9. Mal alle steiermärkischen Schlachtbetriebe im Hinblick auf die Behandlung der Schlachttiere und diskutieren die Ergebnisse mit den jeweiligen Betriebsverantwortlichen und Amtstierärzten. Die Überprüfung von Tierschutzstandards erfolgte seit 2000 auch in anderen Österreichischen Bundesländern und wie auch in Deutschland immer mehr im Auftrag des Lebensmitteleinzelhandels.

Öffentlichkeitsarbeit und Fachinformationen: In Vorträgen und Diskussionen vor Verbrauchern sowie Artikeln in der populärwissenschaftlichen Presse vermitteln wir, wo die besonderen Belastungen bei Transport und Schlachtung liegen und welche Lösungsansätze es gibt. Durch fachliche Information versuchen wir, zur Versachlichung der in der Öffentlichkeit sehr emotional geführten Diskussion um Transporte, Schlachtung und die sog. industrielle Tierhaltung beizutragen. Ein Bespiel ist hier das Thema religiöse Schlachtung. Dazu wurde 2005 in Berlin das international besetzte Seminar „Tierschutz bei der Rituellen Schlachtung“ veranstaltet[13] . Zum selben Thema arbeiteten wir von 2006 bis 2011 im Auftrage der EU zusammen mit Veterinärmedizinern, Juristen, Religionswissenschaftlern und Sozialwissenschaftlern aus 12 Ländern an den Voraussetzungen für einem unvoreingenommenen Dialog[14] und erstellten einen umfassenden Bericht zu den Tierschutzbedenken bei der religiösen Schlachtung[15] . Abschließend erwähnt sei unsere umfangreiche Sammlung an Lehr-/ Demonstrationsmaterial. Unsere Literatursammlung umfasst über 12.000 Stellen, darunter 165 eigene Veröffentlichungen.

◊ bsi Schwarzenbek (Organisation und Aktivitäten)

              Organigramm-bsi

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[1]    bis Ende 2011 Beratungs- und Schulungsinstitut für schonenden Umgang mit Zucht- und
        Schlachttieren [zurück]

[2]    Methods of improving pig welfare and meat quality by reducing stress and discomfort
        before slaughter’ (’93-’96 D, B, Dk, NL, P, I, GB) [zurück]

[3]    CATRA = Cattle Transport: Minimizing stress inducing factors on cattle during handling and
        transport to improve animal welfare and meat quality (’00-’03 D, B, S, Fin, N, E, I, Slo) [zurück]

[4]    Projekt zur integrierten Qualitätssicherung (PIQ) in der Schweineproduktion (’96-’98, BLE)
        [zurück]

[5]    Statuserhebung zur Effektivität der CO2-Betäubung von Schlachtschweinen [...]
        sowie Untersuchungen über deren Beeinflussung durch externe und interne (tierspezifische)
        Faktoren“ (’98-’00, BLE) [zurück]

[6]    Unmittelbarer Zutrieb zur CO2-Betäubung von Schlachtschweinen - Untersuchung von
        Maßnahmen zur Verbesserung des Tierschutzes und Minderung von Fleischqualitätsmängeln
        (’00-’02, BLE) [zurück]

[7]    Kugelschuss auf der Weide: Entwicklung und Erprobung eines stressfreien Betäubungs- und
        Tötungsverfahrens für Rinder aus ganzjähriger Freilandhaltung (’12-’15, mit Universität Kassel,
        BLE) [zurück]

[8]    Todeseintritt: Erforschung der Möglichkeiten zum Einsatz eines automatisierten Verfahrens zur
        Feststellung des sicheren Todeseintritts bei der Schlachtung von Schweinen in industriellen
        Betrieben (’12-’15, mit MRI Kulmbach,  Banss Biedenkopf, BLE) [zurück]

[9]    Autocheck Lebenszeichen: Automatisiertes Verfahren zur Feststellung des sicheren Todeseintritts
        bei der industriellen Schlachtung von Schweinen - Entwicklungsschritt Praxisreife (’16-’18, mit
        eduToolbox@Bri-C GmbH, Banss Biedenkopf, Rentenbank) [zurück]

[10]  Ferkeltötung: „Untersuchungen zur Entwicklung einer praktikablen unblutigen Tötungsmethode
        für Ferkel bis 30 kg am landwirtschaftlichen Betrieb“ (’16-’17, mit LALLF M-V, turbobcut Jopp GmbH,
        Landwirtschaftskammer Sl-H, gefördert durch die Länder MV und Sl-H) [zurück]

[11]  BolzenSchlüsselRind: Erforschung der Schlüsselparameter für die Rinderbetäubung mittels
        penetrierendem Bolzenschuss und Weiterentwicklung der bestehenden Bewertungskriterien für die
        Betäubungseffektivität (’19-’22, BLE) [zurück]
[12]  Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit = European Food Safety Authority: EFSA (2004):
        “WELFARE ASPECTS OF ANIMAL STUNNING AND KILLING METHODS”,
        http://www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/doc/45.pdf [zurück]

[12a,b,c,d] EFSA (2013): Scientific Opinion(s) on monitoring procedures at slaughterhouses for bovines,
        pigs, sheep and goats, poultry, https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2013.3460,
        https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.2903/j.efsa.2013.3523,
        https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2013.3522,
        https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2013.3521 [zurück]

[12e] EFSA (2013) Guidance on the assessment criteria for studies evaluating the effectiveness of
        stunning interventions regarding animal protection at the time of killing,
        https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2013.3486 [zurück]

[13]  https://bib.vetmed.fu-
        berlin.de/resources/global/contents/2848721/Tierschutz_rituelle_Schlachtung.pdf
        [zurück]
[14]  https://www.dialrel.net/dialrel/pressemitteilung.html
        [zurück]
[15]  http://www.dialrel.net/images/recommandations-de.pdf
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